Geiz ist eben nicht nur geil, sondern oft auch kundenunfreundlich.
Wie der "Frontbericht" aus der aktuellen FAZ zeigt:
"Der Kauf als inneres Erlebnis - angeblich ein Lieblingshobby der Deutschen. Wenn man gerade mal wieder 1000 Euro für einen neuen PC zu erlegen hatte, will man es nicht glauben. Wir betreten gut ausgeruht die Computer-Abteilung eines multimedialen Supermarkts. Die Verkehrssprache ist hier die gleiche wie in der Russendisco. Auf etwa vierzig Menschen mit ratlosen Augen und hängenden Schultern, also Kunden, kommen exakt zwei durchgeschwitzte Angestellte.
Der eine, schon so bejahrt, daß er gut noch David Ben-Gurion Oberhemden mit weitem Kragen verkauft haben könnte, geht während des Beobachtungszeitraums von drei Viertelstunden eigentlich nur zwischen zwei Druckern hin und her. Gibt hier einen Klaps, gibt dort einen Klaps und wieder retour: "Warum tust du es denn nicht? Und du auch nicht?" Diese Tätigkeit ist so aufreibend, daß sie ihn mühelos jeden Fragesteller abwimmeln läßt. Doch die werden von dem Schild "Information und Beratung" auf seiner Brusttasche wie Fliegen von der süßen Milch angezogen.
Der zweite Angestellte bedient nur Frauen - jedenfalls wenn sie nicht älter als zwanzig sind, einen gepiercten Bauchnabel vor sich hertragen und sich offenbar nicht so recht zwischen einem Multimedia-Notebook für 1800 Euro und einem für 2100 Euro entscheiden können. Diese anstrengende Beratungsarbeit absorbiert ihn völlig.
Dreist drängen wir uns mit der Frage, was man hier tun müsse, um einen PC kaufen zu dürfen, zwischen zwei Piercings. "Nehmen Sie sich einen und gehen Sie zur Kasse." - Was für ein Erlebniskauf mal wieder, wie schön, daß man sich in spätestens zwei Jahren schon wieder einen Pentrino oder so wird kaufen dürfen."

Text: F.A.Z., 04.04.2006, Nr. 80 / Seite T1 / py